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2. Oktober 2025Sergei Solod5 Min. Lesezeit

Zwei neue Websites stiegen bei Google stark ein – dann fiel der Traffic um das Zehnfache

Bei zwei Launches in Folge stiegen die Google-Impressionen sofort stark an, bevor der Traffic wenige Tage später ungefähr auf ein Zehntel fiel. Das Muster war real; einen angeblichen „Google-Honeymoon“ kann ich damit aber nicht beweisen.

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Bei zwei meiner letzten Launches sah die Kurve fast gleich aus. Direkt nach dem Start schossen die Impressionen in Google nach oben. Für ein paar Tage wirkte es, als hätte die Website sofort stabile Sichtbarkeit aufgebaut. Dann lag der Traffic nur wenige Tage später ungefähr zehnmal niedriger.

Beim zweiten Mal wurde das Muster für mich interessant. Ein einzelner Launch kann Zufall oder Rauschen sein. Zwei ähnliche Fälle beweisen immer noch nicht, wie Google intern arbeitet, aber sie reichen aus, um die ersten starken Tage nicht mehr als verlässliche Basislinie zu betrachten.

Meine erste Erklärung war simpel: Das müsse die klassische „Google-Honeymoon-Phase“ sein – eine neue Website bekommt zunächst zusätzliche Sichtbarkeit, Google sammelt Daten und nimmt diese Sichtbarkeit danach wieder zurück. Heute halte ich diese Aussage für zu sicher. Den Spike und den anschließenden Rückgang kann ich bestätigen. Den Mechanismus dahinter nicht.

Was ich tatsächlich beobachtet habe

  • Das Muster trat bei zwei Projekten in Folge auf.
  • Direkt nach dem Launch stiegen die Impressionen stark.
  • Wenige Tage später lag der Traffic ungefähr bei einem Zehntel des frühen Niveaus.
  • Die Kurven ähnelten sich genug, dass ich den Start-Peak nicht mehr als stabile Ausgangslage werte.

Mehr lässt sich aus meiner Erfahrung nicht als Tatsache ableiten. Ich habe keinen Einblick in Googles interne Ranking-Systeme, kein Experiment-Label, das bestätigt, dass meine Websites gezielt „getestet“ wurden, und keinen Beweis dafür, dass der spätere Rückgang eine Penalty war.

Warum ich mit der „Honeymoon“-Erklärung vorsichtiger geworden bin

„Google Honeymoon“ ist ein verbreiteter SEO-Begriff für frühe Sichtbarkeit mit anschließender Korrektur. Aus meinen Daten kann ich jedoch nicht nachweisen, dass genau dieser Mechanismus stattgefunden hat. Google selbst beschreibt Suchergebnisse als dynamisch und nennt viele mögliche Ursachen für organische Traffic-Rückgänge: Ranking-Änderungen, veränderte Nachfrage, technische Probleme, Website-Änderungen oder Algorithmus-Updates. Außerdem garantiert Google weder Crawling noch Indexierung noch die Ausspielung einer Seite in den Suchergebnissen.

Die präzisere Beschreibung meines Falls lautet deshalb: Beide neuen Websites bekamen ungewöhnlich viel frühe Sichtbarkeit, und dieses Niveau hielt nicht. Ursache könnten Ranking-Veränderungen, der Query-Mix, Indexierungs- und Ausspielungsprozesse, Nachfrage oder mehrere Faktoren gleichzeitig gewesen sein. Meine Daten isolieren keinen davon.

Das ist ein wichtiger Unterschied: Ein beobachtetes Muster kann real sein, auch wenn seine Ursache nicht bewiesen ist.

Impressionen, Klicks und Traffic sind unterschiedliche Signale

Auch meine ursprüngliche Formulierung war an einer Stelle zu ungenau. Ich sprach von einem Impressionen-Spike und danach von einem zehnfachen Traffic-Rückgang, als wären beide Werte identisch. Das sind sie nicht.

Eine Impression bedeutet, dass ein Ergebnis der Website in Google Search angezeigt wurde. Ein Klick bedeutet einen tatsächlichen Besuch aus der Suche. Traffic kann sinken, weil die Impressionen sinken, sich die durchschnittliche Position verändert, die CTR fällt, sich der Query-Mix verschiebt oder mehrere Dinge gleichzeitig passieren.

Wenn ich dieses Muster erneut sehe, würde ich deshalb zuerst die Metriken trennen und erst danach über mögliche Algorithmus-Erklärungen nachdenken.

So würde ich den nächsten Launch analysieren

  1. Impressionen und Klicks getrennt vergleichen. Wenn beide einbrechen, ist das etwas anderes als stabile Impressionen bei weniger Klicks.
  2. Durchschnittliche Position und CTR prüfen. Beides sind aggregierte und unvollkommene Kennzahlen, aber größere Veränderungen können zeigen, ob sich eher Sichtbarkeit oder Klickverhalten verschoben hat.
  3. Nach Query und Seite aufschlüsseln. Ein siteweiter Rückgang unterscheidet sich klar vom Verlust einer einzelnen Query oder Seite, die den Großteil des Launch-Traffics erzeugt hat.
  4. Länder, Geräte und Suchtyp prüfen. Ein Start-Peak kann stark auf ein Segment konzentriert sein und im Gesamtchart größer wirken, als er tatsächlich ist.
  5. Offensichtliche technische und Search-Probleme ausschließen. Indexierung, URL Inspection, manuelle Maßnahmen, Sicherheitsprobleme, jüngste Website-Änderungen und relevante Google-Ranking-Updates würde ich prüfen, bevor ich eine kompliziertere Theorie aufstelle.

Das entspricht weitgehend Googles aktuellem Leitfaden zum Debugging von Search-Traffic-Rückgängen. Für die Trennung von Crawling, Indexierung und Ausspielung ist Googles Dokumentation How Search works eine gute Referenz.

Die ersten Tage sind noch keine Basislinie

Meine Schlussfolgerung ist heute nicht: „Google gibt jeder neuen Website einen Honeymoon.“ Für eine solche universelle Regel habe ich keine Belege.

Meine Schlussfolgerung ist enger: Launch-Daten sind anfangs zu instabil, um einen frühen Peak als normales Traffic-Niveau zu behandeln. Ein großer Spike kann absolut real und trotzdem nur vorübergehend sein. Ich würde Content-Volumen, Infrastruktur, Umsatzerwartungen oder SEO-Strategie nicht auf wenigen ungewöhnlich starken Tagen aufbauen.

Genau hier braucht SEO Geduld. Nicht wegen einer mystischen Wartezeit, sondern weil ein längeres Zeitfenster mehr Evidenz liefert. Tage können einen Peak zeigen. Wochen und Monate eignen sich viel besser, um zu beurteilen, ob eine Website wiederholbare Sichtbarkeit aufgebaut hat.

Wie ich Launch-Charts heute lese

Nach zwei ähnlichen Fällen sehe ich den ersten Peak als Beobachtung, nicht als Versprechen. Hält der Traffic, ist das großartig. Bricht er stark ein, beweist das weder automatisch eine Penalty noch einen speziellen „Honeymoon-Test“ von Google.

Sicher sagen kann ich nur: Bei zwei Projekten in Folge gab es einen starken frühen Google-Spike, und innerhalb weniger Tage sank der Traffic ungefähr um den Faktor zehn. Das hat mir gereicht, um anfängliche Sichtbarkeit nicht mehr mit nachhaltigem Wachstum zu verwechseln.

Der Spike war real. Die Ursache ist unklar. Die belastbare Basislinie kommt später.